Ladeinfrastruktur E-Lkw: Förderung stark überzeichnet

Elektrischer Sattelzug lädt an einer Ladesäule auf einem Speditionshof – Ladeinfrastruktur für E-Lkw

Am 5. August 2026 hat der Projektträger Jülich (PtJ) eine Auswertung der ersten drei Förderaufrufe der Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur für E-Lkw veröffentlicht. Die Bilanz fällt eindeutig aus: für rund 300 Millionen Euro verfügbare Fördermittel gingen rund 1.860 Anträge mit zusammen etwa 1,05 Milliarden Euro beantragten Fördermittel ein.

Die gute Nachricht: Für Speditionen, Logistiker und Flottenbetreiber, die eine Förderung für Ladeinfrastruktur für E-Lkw planen, liefern die Zahlen konkrete Hinweise darauf, worauf es in den kommenden Aufrufen ankommt.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und gibt den Stand vom 5. August 2026 wieder. Er ersetzt keine rechtliche oder förderrechtliche Beratung im Einzelfall. Der PtJ weist ausdrücklich darauf hin, dass die Antragsprüfungen noch nicht abgeschlossen sind und sich Schwellenwerte sowie die Zahl der zur Förderung vorgesehenen Vorhaben noch ändern können.

Rund 1.860 Anträge treffen auf 300 Millionen Euro

Die drei im Mai 2026 veröffentlichten Aufrufe decken unterschiedliche Segmente ab. Förderaufruf A richtete sich ausschließlich an kleine und mittlere Unternehmen und gewährte eine pauschale Förderung im nicht-wettbewerblichen Verfahren. Förderaufruf B adressierte nicht-öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für alle Unternehmen, Förderaufruf C die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur, etwa an Autohöfen oder in Gewerbegebieten. Beide letztgenannten Aufrufe liefen im Wettbewerb. Deutlich überzeichnet waren alle drei.

In den beiden wettbewerblichen Aufrufen übersteigt die beantragte Summe die verfügbaren Mittel jeweils um etwa das Sechsfache. Der PtJ wertet das große Interesse als Beleg dafür, dass die Branche die Transformation im schweren Straßengüterverkehr aktiv einfordert.

Förderaufruf A: Der Zuschlag entschied sich innerhalb von Stunden

Im nicht-wettbewerblichen Aufruf A galt das Windhundprinzip, also die Reihenfolge der Antragseingänge. Die ursprünglich vorgesehenen 50 Millionen Euro waren nach wenigen Stunden ausgeschöpft. Der Fördermittelgeber erhöhte die Mittel kurzfristig auf 150 Millionen Euro, dennoch musste der Aufruf noch am selben Tag geschlossen werden. Insgesamt gingen rund 430 Anträge über etwa 150 Millionen Euro ein.

Positiv für die Antragsteller: Nach reichlich Kritik wurde erklärt, dass alle Unternehmen, die an diesem Tag einen Antrag über das Portal eingereicht hatten, nach Prüfung und unter Vorbehalt von Vollständigkeit und Förderfähigkeit einen Zuwendungsbescheid erhalten sollen. Die kurzfristige Verdreifachung des Budgets zeigt, dass der Fördermittelgeber auf die Marktnachfrage reagiert.

Für kleine und mittlere Unternehmen folgt daraus eine klare Konsequenz: Bei pauschalen, nicht-wettbewerblichen Aufrufen entscheidet nicht nur die Qualität der Kalkulation, sondern vor allem die Vorbereitung. Wer Netzanschlussauskunft, Standortdaten, Angebote und Unternehmensnachweise erst nach Veröffentlichung des Aufrufs zusammenstellt, verliert mindestens Stunden und damit unter Umständen die gesamte Förderung für E-Lkw-Ladeinfrastruktur.

Förderaufruf B: Die Förderintensität bestimmte das Ranking

Im wettbewerblichen Aufruf B reihte der PtJ die Anträge nach der von den Antragstellern angegebenen Förderintensität, also nach Fördereuro je Kilowatt geplanter Ladeleistung. Bis zur Ausschöpfung der Mittel sind 206 Projekte zur Förderung vorgesehen, in denen rund 230 Euro pro Kilowatt oder weniger beantragt wurden. Bei gleicher Förderintensität stufte der Projektträger Anträge mit höherer Ladeleistung besser ein.

Damit liegt der wesentliche Erfolgsfaktor offen: Nicht die maximal mögliche Förderquote führt zum Zuschlag, sondern eine Kalkulation, die den Eigenanteil bewusst erhöht und dadurch im Ranking nach vorn rückt. Unternehmen stehen vor einer Abwägung zwischen maximaler Förderhöhe und realistischer Zuschlagswahrscheinlichkeit für eine Förderung für Ladeinfrastruktur für E-Lkw.

Wichtig für die Einordnung des Schwellenwerts: Werden Anträge in der laufenden Prüfung als nicht förderfähig bewertet, rücken nachfolgende Projekte nach. Der Wert von rund 230 Euro pro Kilowatt kann sich dadurch noch erhöhen.

Förderaufruf C: Drei Kriterien, eine Priorisierungszahl

Für die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur berechnete der PtJ je Antrag eine Priorisierungszahl aus drei gewichteten Kriterien:

  • Förderintensität (70 Prozent): Der niedrigste beantragte Wert von 62 Euro pro Kilowatt erhielt 70 Punkte, der höchste von 500 Euro pro Kilowatt null Punkte, dazwischen wurde linear interpoliert.
  • AFIR-Standort (20 Prozent): Bis zu 20 Punkte, abhängig vom Anteil der Ladeleistung an AFIR-Gesamtnetz und AFIR-Kernnetz an der Gesamtladeleistung.
  • Durchleitungsmodell (10 Prozent): 10 Punkte bei Integration des Modells, sonst null.

Zur Förderung vorgesehen sind 67 Anträge mit einer Priorisierungszahl von 58,1450 oder höher. Von ihnen bedienen 75 Prozent einen Aufbau an AFIR-Standorten, rund die Hälfte integriert das Durchleitungsmodell. Aufschlussreich ist der Vergleich der Spannbreiten: Projekte mit voller Punktzahl bei AFIR-Standort und Durchleitungsmodell kamen noch mit einer Förderintensität von bis zu 289 Euro pro Kilowatt zum Zug. Anträge ohne Punkte in diesen beiden Kriterien mussten dagegen bei höchstens 129 Euro pro Kilowatt liegen.

Standortwahl und Geschäftsmodell wiegen im öffentlichen Segment also schwer genug, um eine mehr als doppelt so hohe Förderintensität auszugleichen. Auch hier gilt: Rücken Projekte nach, kann die Schwelle von 58,1450 Punkten noch sinken.

Was Unternehmen für die nächste E-Lkw-Ladeinfrastruktur-Förderung mitnehmen

Aus der Auswertung lassen sich vier Konsequenzen für kommende Aufrufe ableiten.

  1. Antragsreife vor Veröffentlichung herstellen. Bei pauschalen Aufrufen zählt jede Stunde. Netzanschlussanfrage, Lastganganalyse und Standortkonzept gehören vorbereitet, bevor der Aufruf startet.
  2. Die Förderintensität strategisch festlegen. Wer automatisch mit der maximal möglichen Förderung kalkuliert, riskiert im Wettbewerb den Zuschlag. Sinnvoller ist die Frage, welcher Euro-pro-Kilowatt-Wert das Projekt noch wirtschaftlich trägt und zugleich realistische Chancen im Ranking eröffnet.
  3. Ladeleistung und Standort bewusst planen. Höhere Ladeleistung wirkte in Aufruf B als Entscheidungskriterium bei Gleichstand, AFIR-Nähe und Durchleitungsmodell in Aufruf C als starker Hebel. Beides lässt sich in der Projektkonzeption gestalten – nicht aber nachträglich im Antrag.
  4. Alternativen mitdenken. Wer in einem überzeichneten Bundesaufruf leer ausgeht, sollte Landesförderprogramme und weitere Bundesbausteine prüfen, bevor das Vorhaben verschoben wird. Ähnliche Muster zeigten sich bereits bei der Fahrzeugförderung, wie die Bilanz der KsNI-Förderung für Transport- und Logistikunternehmen deutlich macht.

Ausblick: eine Milliarde Euro über vier Jahre für Ladeinfrastruktur-Förderung für E-Lkw

Die drei Aufrufe bilden nur den Auftakt der Förderrichtlinie. Über die vierjährige Laufzeit stehen insgesamt eine Milliarde Euro bereit. Angesichts der hohen Nachfrage kündigt der PtJ an, weitere Förderaufrufe zeitnah zu veröffentlichen. Über neue Fördermöglichkeiten informieren bspw. der M3E-Fördermittel-Alert sowie der monatlich erscheinende M3E-Newsletter, der zudem weitere relevante Brancheninfos bietet.

Für Unternehmen bedeutet das: Die nächste Gelegenheit kommt, aber der Vorlauf für Netzanschluss, Genehmigungen und Wirtschaftlichkeitsrechnung entscheidet darüber, ob sie genutzt werden kann. Zahlreiche hilfreiche Informationen und Analysen zu Förderprogrammen und Ladeinfrastruktur finden Sie in unserem https://m3e.group/blog.

So unterstützt M3E

Die deutliche Überzeichnung der ersten drei Förderaufrufe stellt Flottenbetreiber vor die Aufgabe, Anträge nicht nur formal korrekt, sondern auch wettbewerbsfähig kalkuliert einzureichen. M3E begleitet Unternehmen und Kommunen dabei, Ladeinfrastrukturprojekte für E-Lkw förderfähig aufzusetzen: von der Standort- und Leistungsplanung über die Festlegung einer tragfähigen Förderintensität bis zur Antragstellung und Umsetzung.

 

QUELLE

Projektträger Jülich: FRL Ladeinfrastruktur für e-Lkw – Informationen und Auswertungen der Anträge der ersten drei Förderaufrufe, Stand 5. August 2026.

Bildquelle: KI-generiert

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