M3E Team

13. Mai 2026 · 8 min read

Jetzt Handeln: Höherer THG-Anrechnungsfaktor für schwere Nutzfahrzeuge ab 2027

by igbarilo

Die Novelle der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) ist beschlossen – und sie bringt für Betreiber von Elektrobusflotten eine wichtige Veränderung. Ab 2027 steigt der Anrechnungsfaktor für schwere batterieelektrische Nutzfahrzeuge von 3 auf 4. Das erhöht die vermarktbare CO₂-Einsparung je Fahrzeug und kann – je nach Marktpreisentwicklung – dazu beitragen, die THG-Erlöse stabil zu halten oder sogar zu steigern.
Was sich regulatorisch ändert und was das für die Wirtschaftlichkeit von Elektrobusflotten bedeutet, erläutert dieser Beitrag.

Was sich bei der THG-Quote für Elektrobusse ab 2027 konkret ändert

Kernstück der Änderung ist die höhere energetische Anrechnung von Ladestrom für schwere batterieelektrische Nutzfahrzeuge der Fahrzeugklassen M3 und N3 – dazu gehören Elektrobusse und schwere Elektro-Lkw.
Bis einschließlich 2026 gilt für diese Fahrzeuge ein Anrechnungsfaktor von 3.
Ab 2027 steigt dieser Faktor auf 4.
THG-Anrechnungsfaktor

Bis 2026
→ Faktor 3

Ab 2027
→ Faktor 4
Das bedeutet: Die eingesetzte Strommenge fließt mit dem Vierfachen ihres energetischen Werts in die Berechnung der anrechenbaren CO₂-Einsparung ein. Dadurch erhöht sich die handelbare Quotenmenge pro Fahrzeug um rund ein Drittel.
Die gesetzliche Grundlage bildet die Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) sowie der 38. BImSchV.
Der Bundestag hat das Zweite Gesetz zur Weiterentwicklung der THG-Quote am 23. April 2026 in geänderter Fassung verabschiedet; der Bundesrat muss noch zustimmen.
Aus Gründen des Vertrauensschutzes für bereits laufende Verträge greifen die neuen Anrechnungsregeln erst ab dem Verpflichtungsjahr 2027.

Warum steigen die THG-Erlöse – und in welcher Größenordnung?

Die THG-Quote funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Kraftstoffanbieter sind gesetzlich verpflichtet, den CO₂-Ausstoß ihrer Produkte zu senken.
Können oder wollen sie das nicht vollständig selbst erreichen, kaufen sie Zertifikate von Akteuren, die nachweislich Emissionen einsparen, zum Beispiel von Betreibern von Elektrofahrzeugen oder Ladepunkten.
Je höher der regulatorische Anrechnungswert einer eingesetzten Strommenge, desto mehr Zertifikate lassen sich vermarkten.
Faktor 4 bedeutet, dass die vierfache eingesetzte Strommenge für den pauschalierten Anrechnungswert herangezogen wird.
Höherer Anrechnungsfaktor
= höhere vermarktbare CO₂-Einsparung

Faktor 3 → bis 2026

Faktor 4 → ab 2027
Das steigert die vermarktbare CO₂-Einsparung und kann je nach Marktpreisentwicklung zu stabilen oder möglicherweise sogar steigenden THG-Erlösen führen.
In der Branche kursieren Berechnungen, die ab 2027 Erlöse von bis zu 12.000–12.500 Euro pro Elektrobus und Jahr ausweisen.
Diese Szenarien setzen jedoch stabile oder steigende Marktpreise voraus – was nach aktuellem Stand nicht das wahrscheinlichste Szenario ist.
Marktbeobachter rechnen eher mit weiter sinkenden Zertifikatspreisen.
Der höhere Anrechnungsfaktor kann diesen Trend abfedern und die Erlöse stabilisieren – eine Garantie ist er nicht.

Ein wichtiges Signal nach schwierigen Jahren am THG-Markt

Die Anpassung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der THG-Markt in Deutschland mehrere belastende Jahre hinter sich hat.
Überangebote an Zertifikaten, Unsicherheiten rund um Doppelanrechnungen und vor allem der Skandal um mutmaßlich betrügerische Upstream-Emission-Reductions (UER) aus nicht nachgewiesenen Projekten ließen die Marktpreise zeitweise massiv einbrechen.
Für einige Marktteilnehmer sanken die erzielbaren Erlöse um mehr als 80 Prozent gegenüber früheren Höchstständen.
2026 sehen wir, wie sich der THG-Quotenmarkt wieder erholt.
→ Hier mehr über die neue Bundesförderung für E-Busse erfahren
Die neue Novelle adressiert diese Schwachstellen grundlegend:
Neue Maßnahmen der THG-Novelle

• UER-Zertifikate entfallen

• Doppelanrechnung fortschrittlicher
Biokraftstoffe endet ab 2026

• Staatliche Vor-Ort-Kontrollen
werden verpflichtend
Diese Maßnahmen sollen die Qualität der handelbaren Emissionsminderungen sichern und den Markt stabilisieren.
Die steigende THG-Quote bis 2030 erhöht zudem strukturell die Nachfrage nach Zertifikaten.
Der höhere Anrechnungsfaktor kann den erwarteten Preisdruck zusätzlich abfedern.

Der neue Quotenpfad: Steigende Nachfrage bis 2040

Neben der höheren Anrechnung für schwere E-Fahrzeuge verabschiedete der Bundestag einen verbindlichen Anstiegspfad für die THG-Quote bis 2040.
Dieser erhöht den Druck auf Kraftstoffanbieter, zusätzliche CO₂-Einsparungen einzukaufen – und macht Elektrobusse damit langfristig zu einem attraktiveren Marktangebot.
THG-Quotenpfad bis 2040

• 2026: 12 %

• 2027: 17,5 %

• 2028: 19,5 %

• 2029: 22,5 %

• 2030: 26,5 %

• 2040: 65 %
(Quelle: Zweites Gesetz zur Weiterentwicklung der THG-Quote, Beschluss Bundestag 23.04.2026)
Das finale Ziel von 65 Prozent wurde im parlamentarischen Verfahren sogar noch über den ursprünglichen Regierungsentwurf (59 %) hinaus angehoben.
Für Verkehrsunternehmen bedeutet das: Die Nachfrage nach THG-Zertifikaten aus der Elektromobilität bleibt über viele Jahre strukturell hoch.

THG-Quote E-Busse 2027: Was Verkehrsunternehmen jetzt vorbereiten sollten

Auch wenn die erhöhten Erlöse erst ab 2027 greifen, lohnt eine strategische Vorbereitung bereits jetzt.
Drei Punkte sind besonders relevant:

THG-Strategie frühzeitig aufsetzen

Wer bestehende und geplante Elektrobusse optimal in die THG-Vermarktung einbinden will, sollte Zuständigkeiten, Prozesse und die Auswahl eines geeigneten THG-Quotendienstleisters rechtzeitig klären.
Der Markt ist regulatorisch komplex – eine professionelle Begleitung zahlt sich gerade bei größeren Flotten aus.

Fahrzeugdaten vollständig erfassen

Grundlage der THG-Vermarktung ist die korrekte Erfassung aller zugelassenen Elektrobusse im Bestand.
Wer hier sauber dokumentiert und frühzeitig mit einem Dienstleister zusammenarbeitet, kann die Potenziale ohne Verzögerung ab 2027 erschließen.

THG-Erlöse in Wirtschaftlichkeitsrechnungen einplanen

Für Ausschreibungen, Investitionsentscheidungen und Fördermittelanträge sollten die möglichen THG-Einnahmen ab 2027 als Planungsgröße berücksichtigt werden – unter dem Vorbehalt, dass die tatsächlichen Erlöse von der Marktpreisentwicklung abhängen.
Im Zusammenspiel mit sinkenden Batteriepreisen kann sich die Total Cost of Ownership (TCO) von Elektrobusflotten dennoch weiter verbessern.
→ Einen umfassenderen Überblick über die regulatorischen Rahmenbedingungen für Fuhrparks und Flottenelektrifizierung bietet auch der Ladeinfrastruktur-Leitfaden für Kommunen.
→ Möchten Sie umfassend zu Fördermöglichkeiten für E-Busse informiert werden? Unser kostenloses Whitepaper M3E Förderguide: Elektrische Busse und Ladeinfrastruktur bietet hilfreiche Einblicke.

So unterstützt M3E

Die Novelle der THG-Quote stellt Verkehrsunternehmen und kommunale Busbetreiber vor neue strategische Aufgaben.
Gleichzeitig eröffnet sie konkrete Chancen, die Wirtschaftlichkeit von Elektrobusflotten nachhaltig zu verbessern.
Das Team von M3E begleitet Busunternehmen und Kommunen dabei, THG-Potenziale systematisch zu erschließen: von der Strategie über die Auswahl geeigneter Vermarktungspartner bis zur Integration in Fördermittelanträge und Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
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