Elektrifizierung der Logistik: 3 kostenlose Tools für den Einstieg

Die Elektrifizierung der Logistik wirft viele Fragen gleichzeitig auf: Welche E-Lkw passen zu den eigenen Touren, was braucht der Betriebshof und wie viele Ladepunkte benötigen die einzelnen Standorte? Drei kostenlose Online-Tools helfen Transportunternehmen, Logistikern und Verladern, sich einen ersten Überblick zu verschaffen und die richtigen Fragen zu stellen.

Elektrifizierung der Logistik: Wo der Markt 2026 steht

Auch wenn das Thema E-Lkw viel diskutiert wird aktuell: Der Straßengüterverkehr basiert immer noch fast ausschließlich auf Verbrennungsmotoren und verursacht rund ein Drittel der CO₂-Emissionen im Verkehrssektor. Das Einsatz- und Einsparpotenzial durch Elektro-Lkw ist entsprechend groß.

Der Markt bewegt sich, allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Nach Zahlen des europäischen Herstellerverbands ACEA erreichten elektrisch aufladbare Lkw im ersten Halbjahr 2026 einen Anteil von 4,8 Prozent an den EU-Neuzulassungen (erstes Halbjahr 2025: 3,6 Prozent). Diesel-Lkw kamen auf 92,1 Prozent. Deutschland verzeichnete bei den E-Lkw ein Plus von 88,5 Prozent und gehört gemeinsam mit den Niederlanden und Frankreich zu den Märkten, die 74 Prozent aller EU-Zulassungen in diesem Segment auf sich vereinen.

Mehrere Rahmenbedingungen sprechen dafür, sich jetzt mit dem Thema zu befassen:

  • CO₂-Flottengrenzwerte: Die EU-Verordnung 2024/1610 legt für die durchschnittlichen CO₂-Emissionen der EU-Flotte neuer schwerer Nutzfahrzeuge Reduktionsziele von 45 Prozent ab 2030, 65 Prozent ab 2035 und 90 Prozent ab 2040 gegenüber dem Referenzzeitraum 2019 fest.
  • Mautbefreiung: Emissionsfreie Lkw sind bis zum 30. Juni 2031 von der Lkw-Maut befreit, emissionsfreie Fahrzeuge bis 4,25 Tonnen zulässiger Gesamtmasse unbefristet. Ein schwerer E-Lkw spart rund 35 Cent Maut je Kilometer gegenüber einem Euro 6-Diesel-Lkw über 18 t und ab 5 Achsen. Je nach Jahresfahrleistung werden dadurch vier- bis fünfstellige Beträge eingespart.
  • Förderung: Das Bundesministerium für Verkehr stellt über vier Jahre rund eine Milliarde Euro für Ladeinfrastruktur in Depots, auf Betriebshöfen und im öffentlichen Raum bereit. Einen Überblick bietet unsere Seite zur Förderung von E-Lkw-Ladeinfrastruktur 2026.

Drei kostenlose Tools für die Flottenelektrifizierung

Kostenlose Online-Tools senken die Einstiegshürde spürbar: Mit wenigen Eingaben liefern sie erste Einschätzungen zu Fahrzeugen, Kosten und Ladebedarf und helfen dabei, die Elektrifizierung der eigenen Flotte strukturiert anzugehen, bevor größere Investitionen oder externe Planungsleistungen anstehen.

1. My eRoads: Welcher E-Lkw passt zum Einsatzprofil?

My eRoads stammt vom ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg. Das Institut hat das Tool in einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt gemeinsam mit Praxispartnern aus der Logistik entwickelt; online verfügbar ist es seit Ende 2022. Es steht eine kostenfreie Demoversion zur Verfügung, um den gesamten Leistungsumfang nutzen zu können, muss auf die kostenpflichtige Vollversion geupgraded werden.

In der Demoversion geben Nutzerinnen und Nutzer ohne Anmeldung einen typischen Betriebstag grafisch ein, etwa Tageskilometer und Standzeiten. Das Tool zeigt daraufhin für alle infrage kommenden Modelle:

  • die technische Eignung hinsichtlich Reichweite und Nutzlast,
  • die Gesamtbetriebskosten (TCO) einschließlich Ladeinfrastruktur,
  • die Treibhausgaseinsparung gegenüber einem Diesel-Referenzfahrzeug.

Bei der Kostenberechnung berücksichtigt My eRoads Förderprogramme von Bund und Ländern sowie die Mautbefreiung. Die Demoversion ist herstellerneutral und auch auf Englisch verfügbar. Nach einer aktuellen Überarbeitung umfasst die Fahrzeugdatenbank 124 Batterie- und Brennstoffzellen-Transporter sowie -Lkw. Der Energieverbrauch wird nun unter anderem abhängig von Nutzlast, Topografie, kalter Witterung und Geschwindigkeit berechnet. Die kostenpflichtige Vollversion schaltet deutlich mehr Funktionen frei.

Wer Kosten verschiedener Antriebe vertiefend vergleichen möchte, findet im TCO-Rechner eine weitere Möglichkeit.

2. LadeLernTOOL: Lkw-Ladeinfrastruktur am Depot verstehen

Das LadeLernTOOL ist die E-Learning-Plattform der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, die im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr unter dem Dach der bundeseigenen NOW GmbH arbeitet. Die Plattform bietet mehrere Online-Kurse, unter anderem zu GEIG und EPBD, zum bidirektionalen Laden und zu Genehmigungsprozessen.

Für Logistikunternehmen besonders relevant ist der Kurs „Lkw-Ladeinfrastruktur am Depot”. Er richtet sich an Unternehmen in der frühen Phase der Flottenumstellung sowie an Betreiber von Logistikstandorten. In drei Modulen und rund 80 Minuten behandelt er Planung, Aufbau und wirtschaftlichen Betrieb. Dabei geht es um Fragen wie: Wie lässt sich Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof bedarfsgerecht gestalten? Reicht der vorhandene Netzanschluss? Wie lassen sich Ladevorgänge steuern?

Die Inhalte sind nicht zu technisch aufbereitet und geben einen guten ersten Überblick. Herunterladbare Checklisten unterstützen die Umsetzung. Jeder Kurs schließt mit einem Test und einem Zertifikat ab. Die Nutzung ist nach einer kurzen, kostenlosen Registrierung möglich.

3. Bedarfscheck Ladeinfrastruktur: Ladebedarf an mehreren Standorten erfassen

Logistikunternehmen und Verlader mit mehreren Standorten stehen vor einer eigenen Herausforderung: Bevor sie planen können, müssen sie wissen, wo welche Fahrzeuge stehen, welche Ladepunkte bereits existieren und welcher Bedarf entsteht. Genau dafür wurde der Bedarfscheck Ladeinfrastruktur von M3E entwickelt.

Statt Standortdaten mühsam per Excel-Liste und E-Mail-Nachfassen zusammenzutragen, erfasst der Bedarfscheck Fahrzeuge, vorhandene Ladepunkte und künftigen Ladebedarf aller Standorte einheitlich an einem Ort und schafft so eine vergleichbare Datenbasis, auf der Förderanträge, Abstimmungen mit dem Netzbetreiber und die weitere Planung aufbauen können.

Das webbasierte Tool funktioniert in vier Schritten:

  • Standorte anlegen: manuell oder per CSV-Import.
  • Fragebogen wählen: Ein einheitlicher, auf die Logistik zugeschnittener Fragebogen steht bereit; weitere Vorlagen gibt es für Kommunen, Gewerbe und Immobilien.
  • Versenden: Das Tool verschickt die Fragebögen automatisch per E-Mail an die Ansprechpartner vor Ort, inklusive Erinnerungsfunktion und Nachverfolgung.
  • Auswerten: Ein Dashboard zeigt den Rücklauf; alle Antworten lassen sich als CSV exportieren.

Die Daten werden DSGVO-konform in der EU gehostet. Auch hier genügt eine kurze, kostenlose Registrierung.

Welches Tool beantwortet welche Frage? „Drei kostenlose Tools" → My eRoads → LadeLernTOOL → Bedarfscheck

Grenzen der Tools: Warum eine Potenzialanalyse unverzichtbar bleibt

Alle drei Tools ersetzen keine belastbare Potenzialanalyse. Sie sind aber ein guter erster Zugang, um ein Gefühl für die eigenen Möglichkeiten zu bekommen und die richtigen Fragen zu stellen.

My eRoads liefert nach eigener Beschreibung eine erste Abschätzung; die Ergebnisse hängen von Parametern wie Anschaffungspreisen, Energiekosten und Verbrauch ab, die Nutzende an ihre betriebliche Situation anpassen müssen. Das LadeLernTOOL vermittelt Grundlagen, beantwortet aber nicht, ob der Netzanschluss eines konkreten Betriebshofs ausreicht. Der Bedarfscheck strukturiert die Datenerhebung, die Bewertung der erfassten Daten folgt im nächsten Schritt.

So unterstützt M3E

Die Elektrifizierung der Logistik verlangt von Transportunternehmen und Verladern, Fahrzeuge, Standorte, Netzanschluss und Förderung gemeinsam zu betrachten. Kostenlose Tools geben dafür eine erste Orientierung, eine belastbare Planung beginnt jedoch mit einer standortgenauen Potenzialanalyse.

M3E unterstützt Logistikunternehmen mit jahrelanger Projekterfahrung von der Bedarfserhebung über Elektrifizierungskonzepte und Fördermittelmanagement bis zur Ausschreibung und Umsetzung der Ladeinfrastruktur und Flottenelektrifizierung.

Bildquelle: Ki generiert

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