M3E Team

3. Juni 2026 · 8 min read

THG-Quote für E-Lkw: Höhere Erlöse ab 2027 richtig nutzen

by photocreo

Der Wechsel zu elektrischen Lkw lohnt sich für Transport- und Logistikunternehmen immer öfter – und ab 2027 wird ein weiterer Hebel möglicherweise noch wirkungsvoller: die THG-Quote. Mit der Novelle der Treibhausgasminderungsquote steigt der Anrechnungsfaktor für schwere batterieelektrische Nutzfahrzeuge von 3 auf 4, was die vermarktbare CO₂-Einsparung je Fahrzeug erhöht. Wer den Umstieg auf E-Lkw plant oder bereits begonnen hat, sollte dieses Potenzial von Anfang an in seine Wirtschaftlichkeitsberechnung einbeziehen.

Was sich bei der THG-Quote für schwere E-Nutzfahrzeuge ändert

Die Novelle der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) betrifft vor allem Fahrzeuge der Klassen M3 und N3 – das sind schwere Busse und, besonders relevant für die Logistikbranche, schwere Lkw über 12 Tonnen zulässiger Gesamtmasse. Für diese Fahrzeuge gilt bisher ein Anrechnungsfaktor von 3. Ab dem Verpflichtungsjahr 2027 steigt dieser Faktor auf 4.
Was bedeutet das konkret? Die im Betrieb eingesetzte Lademenge fließt mit dem Vierfachen ihres energetischen Werts in die Berechnung der anrechenbaren CO₂-Einsparung ein. Daraus ergibt sich eine um rund ein Drittel höhere handelbare Quotenmenge – ohne dass sich am Fahrzeug oder am Ladeverhalten etwas ändert.
Die gesetzliche Grundlage bildet die Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) sowie der 38. BImSchV. Der Bundestag verabschiedete das Zweite Gesetz zur Weiterentwicklung der THG-Quote am 23. April 2026; der Bundesrat muss noch zustimmen. Aus Gründen des Vertrauensschutzes für laufende Verträge greifen die neuen Regeln erst ab 2027.

Wie die THG-Quote für Lkw-Flotten funktioniert

Das Grundprinzip der THG-Quote ist folgendes: Kraftstoffanbieter sind gesetzlich verpflichtet, den CO₂-Ausstoß ihrer Produkte zu senken. Können sie das nicht vollständig aus eigener Kraft erreichen, kaufen sie Zertifikate von Dritten, die nachweislich Emissionen einsparen – zum Beispiel von Betreibern elektrischer Fahrzeuge.
Für E-Lkw-Betreiber ergibt sich daraus eine zusätzliche Einnahmequelle: Sie können die THG-Quoten ihrer Elektrofahrzeuge verkaufen. Ein zertifizierter THG-Quotendienstleister wie M3E vermarktet die rechnerische CO₂-Einsparung als Zertifikat, bündelt Quoten und verkauft diese an quotenverpflichtete Unternehmen. Der erzielte Erlös fließt an die E-Fahrzeugbetreiber zurück.
Mit steigendem Anrechnungsfaktor ab 2027 wächst die vermarktbare Menge je Fahrzeug – auch wenn der Marktpreis je Zertifikat weiter schwankt. Entscheidend bleibt jedoch die Preisentwicklung am THG-Markt, die von verschiedenen Faktoren abhängt. Manche Marktbeobachter gehen derzeit von sinkenden Preisen aus, wodurch der höhere Anrechnungsfaktor dazu beitragen könnte, die THG-Erlöse zumindest stabil zu halten oder leicht zu steigern.

Warum der Markt gerade jetzt stabiler wird

Die vergangenen Jahre waren für den THG-Quotenmarkt turbulent. Überangebote an Zertifikaten, Unsicherheiten bei der Anrechnung und insbesondere der Skandal um nicht nachgewiesene Upstream-Emission-Reductions (UER) aus fragwürdigen Auslandsprojekten ließen die Preise zeitweise massiv einbrechen. Für viele Marktteilnehmer sanken die erzielbaren Erlöse infolge drastisch.
Die neue Novelle setzt an diesen Schwachstellen an und schafft strukturelle Korrekturen:
  • UER-Zertifikate entfallen künftig vollständig aus der Anrechnungsfähigkeit
  • Doppelanrechnung fortschrittlicher Biokraftstoffe endet ab 2026
  • Staatliche Vor-Ort-Kontrollen werden für Quotenverpflichtete verpflichtend eingeführt ab 2027
  • Der Quotenpfad wird bis 2040 verbindlich angehoben – von 12 % im Jahr 2026 auf 65 % im Jahr 2040
THG-Quotenpfad bis 2040
→ 2026: 12,0 %
→ 2027: 17,5 %
→ 2028: 19,5 %
→ 2029: 22,5 %
→ 2030: 26,5 %
→ 2040: 65,0 %
Dieser Anstiegspfad ist entscheidend: Er erhöht den Druck auf Kraftstoffanbieter, dauerhaft mehr Zertifikate zu kaufen, und sichert damit die strukturelle Nachfrage. Für E-Lkw-Betreiber bedeutet das: Der THG-Markt wird langfristig nicht austrocknen und dazu beitragen, die Elektrifizierung der Flotten mitzufinanzieren.

Was Transport- und Logistikunternehmen jetzt konkret tun sollten

Die möglicherweise höheren Erlöse greifen erst ab 2027 – aber wer jetzt mit der Planung beginnt, sichert sich Vorteile. Drei Punkte sind für Flottenbetreiber besonders relevant:
Fahrzeugdaten vollständig und sauber erfassen. Die Grundlage jeder THG-Vermarktung ist die korrekte Dokumentation aller zugelassenen E-Lkw im Bestand. Wer frühzeitig mit einem geeigneten Dienstleister zusammenarbeitet, vermeidet Verzögerungen beim Markteintritt und schöpft die Potenziale ab dem ersten Verpflichtungsjahr aus.
THG-Erlöse in Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Ausschreibungen einplanen. Für Investitionsentscheidungen, Fördermittelanträge und Leasingkalkulationen sollten die zu erwartenden THG-Einnahmen als realistische Planungsgröße berücksichtigt werden. Dabei gilt: Die Erlöse sind von der Marktpreisentwicklung abhängig und sollten konservativ angesetzt werden.
Einen professionellen THG-Dienstleister wählen. Der Markt ist regulatorisch komplex. Wer einen erfahrenen Partner an der Seite hat, navigiert sicherer durch Compliance-Anforderungen, Meldepflichten und Vertragsgestaltung – und vermeidet die Fehler, die in den vergangenen Jahren einigen Marktteilnehmern teuer zu stehen kamen.
Für Logistik- und Transportunternehmen ist der Fokus auf schwere E-Lkw besonders relevant: Die Fahrzeugklasse wächst, die Modellvielfalt steigt, und der regulatorische Druck durch die CO₂-Flottenstandards der EU erhöht den Elektrifizierungsdruck strukturell.
Wichtig: Neben der THG-Quote können E-Lkw-Betreiber weitere Fördermittel nutzen, etwa im Rahmen der aktuellen Förderaufrufe zur Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge. Eine kombinierte Betrachtung aller verfügbaren Instrumente lohnt sich. Einen guten Einstieg in das Thema bietet unser Blogartikel. Der THG-Quotenmechanismus kann dabei als wirtschaftliches Gegengewicht zu den nach wie vor höheren Anschaffungskosten von E-Lkw wirken – nicht als alleinige Grundlage, aber als sinnvoller Bestandteil einer realistischen Total-Cost-of-Ownership-Rechnung.
→ Gut zu wissen: THG-Quoten vermarkten und dieselben Emissionen im Nachhaltigkeitsbericht ausweisen ist rechtlich zulässig! Hier erfahren Sie warum.

So unterstützt M3E

Die anstehenden regulatorischen Änderungen bei der THG-Quote stellen Transport- und Logistikunternehmen vor neue Planungsaufgaben. Gleichzeitig eröffnen sie konkrete Chancen, die Wirtschaftlichkeit von E-Lkw-Flotten nachhaltig zu verbessern. Das Team von M3E begleitet Unternehmen dabei, THG-Potenziale systematisch zu erschließen: von der Strategie über die Vermarktung bis zur Integration in Fördermittelanträge und Investitionsrechnungen.
Jetzt unverbindliche Erstberatung vereinbaren
M3E – Wir entwickeln Lösungen. Für Ihre nachhaltige Mobilität.

Weitere Beiträge