M3E Team

13. Nov. 2024 · 6 min read

Gesetzgebung und Regulatorik im Elektromobilitätsbereich – Ein Glossar der wichtigsten Rechtsbegriffe

Bildquelle: KI-generiert

Die Elektromobilität wird in Deutschland und Europa durch eine Vielzahl an Akteuren und gesetzlichen Regelungen geprägt. Auf nationaler Ebene wirken das Bundesverfassungsgericht und die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Ländern, um Bundes- und Landesgesetze zu erlassen. Die Kommunen ergänzen diese durch lokale Satzungen, die spezifische, auf örtliche Bedürfnisse abgestimmte Regelungen umfassen. Auf europäischer Ebene spielen die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und der Europäische Gerichtshof eine zentrale Rolle. Diese Organe entwickeln und überwachen die Umsetzung von EU-weiten Richtlinien und Verordnungen, die die Standards der Elektromobilität in Europa vereinheitlichen.

Wer entscheidet was? Die Normenhierarchie

Um zu verstehen, wie die verschiedenen gesetzlichen Vorgaben im Bereich der Elektromobilität wirken, ist es wichtig, die sogenannte „Normenhierarchie“ zu kennen. Diese beschreibt das Verhältnis der einzelnen Regelungen zueinander und zeigt, welche Ebenen in Deutschland und Europa eine Rolle spielen:

Europarecht

EU-Verordnungen und -Richtlinien prägen die nationale Gesetzgebung stark:

EU-Verordnungen

EU-Verordnungen sind bindende Rechtsvorschriften und gelten unmittelbar in allen Mitgliedstaaten, ohne dass diese Spielraum bei der Umsetzung haben.
Beispiel: Die CO2-Flottengrenzwert-Verordnung, die den CO2-Ausstoß neuer Fahrzeuge auf durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer begrenzt und bei Überschreitungen Strafen für Autohersteller vorsieht.

EU-Richtlinien

EU-Richtlinien behandeln gemeinsame Ziele der Mitgliedsstaaten und formulieren Rahmenvorgaben, jedoch ohne konkrete Maßnahmen zur Zielerreichung
Beispiel: Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie, die eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien vorsieht und ein zentraler Baustein für die Energiewende darstellt.

Nationale deutsche Gesetze

In Deutschland gibt es neben dem Grundgesetz sowohl Bundesgesetze als auch Landesgesetze.

Grundgesetz

Das Grundgesetz ist die oberste Rechtsebene in Deutschland. Obwohl das EU-Recht in Konfliktfällen Anwendungsvorrang hat, steht es nicht über dem Grundgesetz. Hier ist ein kooperatives Verhältnis zwischen dem Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof maßgeblich.

Bundesgesetze und Landesgesetze

Bundesgesetze gelten unmittelbar und sind in allen Bundesländern gleichermaßen verbindlich. Die Länder und alle betroffenen Akteure sind verpflichtet, diese Gesetze eins zu eins umzusetzen. ohne Abweichungen.
Beispiel: Das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG), das Anforderungen an die Ladeinfrastruktur in Wohn- und Bürogebäuden festlegt.
Landesgesetze gelten nur im jeweiligen Bundesland und sind dort ebenfalls rechtsverbindlich und eins zu eins umzusetzen. Landesgesetze ermöglichen es den Bundesländern, auf spezifische regionale Bedürfnisse einzugehen.
Beispiel: In Baden-Württemberg hat das Landesklimaschutzgesetz besondere Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität und des Ladeinfrastrukturausbaus festgelegt.

Untergesetzliche nationale Vorschriften: Verordnungen und Satzungen

Sogenannte untergesetzliche Normen bezeichnen Rechtsnormen, die in der Normenhierarchie unterhalb des förmlichen Gesetzes stehen.
Verordnungen als untergesetzliche Normen werden von Exekutivorganen erlassen (Regierung, Verwaltung) und stehen in der Hierarchie unter den formellen Gesetzen. Anders als Gesetze, die das Parlament verabschiedet, stammen Verordnungen von der Regierung oder Verwaltung.
Beispiel: Die Ladesäulenverordnung (LSV), die Vorgaben für den Bau und Betrieb von öffentlichen Ladesäulen für Elektrofahrzeuge definiert.
Satzungen sind lokal beschränkte Normen, die von einer öffentlichen Körperschaft, wie z. B. einer Kommune, erlassen werden. Sie regeln spezifische Bereiche innerhalb ihrer Zuständigkeit.
Beispiel: Die Stellplatzsatzung einer Gemeinde, die Anforderungen an die Anzahl und Art der Parkplätze festlegt und damit Einfluss auf das Mobilitätsverhalten der Bürge nimmt.

Die Bedeutung der Normenhierarchie in der Praxis

Für Unternehmen und Kommunen, die im Bereich der Elektromobilität tätig sind oder diese fördern möchten, ist das Verständnis der Normenhierarchie von großer Bedeutung. Jede Rechtsebene bringt spezifische Vorgaben und Regelungen mit sich, die unterschiedliche Anforderungen und Zuständigkeiten betreffen. Unternehmen, die an mehreren Standorten in Deutschland oder europaweit aktiv sind, müssen beachten, dass es zu erheblichen Unterschieden in den Vorgaben kommen kann, je nachdem, ob die Regelungen auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene bzw. auf europäischer Ebene gelten.
Das Zusammenspiel verschiedener Ebenen erfordert eine sorgfältige Planung und ein umfassendes Verständnis der jeweiligen gesetzlichen Anforderungen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass Compliance- und Strategieteams eine kontinuierliche Überprüfung und Anpassung der Strategien an lokale und überregionale Regelungen vornehmen müssen. Kommunen wiederum profitieren von der Kenntnis der Rechtslage, um ihre eigenen Mobilitäts- und Nachhaltigkeitsziele im Einklang mit übergeordneten Vorgaben effektiv umzusetzen.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Kenntnis der Normenhierarchie für alle Akteure im Elektromobilitätsbereich unverzichtbar ist. Sie ermöglicht fundierte Entscheidungen, fördert die rechtskonforme Umsetzung von Projekten und bietet die Grundlage für strategische Anpassungen in einem dynamischen rechtlichen Umfeld.
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