
M3E Team
18. Dez. 2023 · 7 min read
M3E Jahresrückblick 2023

Ein für die Elektromobilität insgesamt durchwachsenes Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir nehmen die Gelegenheit wahr, relevante Aspekte und Meilensteine zu beleuchten und einen Ausblick auf 2024 zu geben.
Verbrenner-Aus beschlossen
Besonders hervorzuheben ist das vom EU-Parlament beschlossene Verbrenner-Verbot: Ab 2035 dürfen EU-weit keine Pkw und Kleintransporter mit Verbrennungsmotor mehr neu zugelassen werden. Damit wurden alle Weichen auf nachhaltige Mobilität und auf eine signifikante CO2-Reduktion im Verkehrssektor gestellt. Gebrauchte Verbrenner werden ab 2035 aber auch weiterhin verkauft werden können.
E-Mobilität in Deutschland
Insgesamt nahm die Elektromobilität in Deutschland 2023 weiter an Fahrt auf, wenn auch weniger als erwartet. Bis November wurden 469.565 Fahrzeuge neu zugelassen. Die Anzahl der neu zugelassenen Elektroautos übertraf regelmäßig die der Dieselautos, blieb jedoch hinter den Benzinern zurück. Insgesamt waren 2023 etwa 1,3 Millionen batteriebetriebene Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs, erstmals also mehr als eine Million E-Pkw. Dem stehen inzwischen rund 101.400 öffentliche Ladepunkte (Stand August) gegenüber – auf circa dreizehn E-Autos kommt demnach ein Ladepunkt. Hinzu kommen natürlich noch die genauso wichtigen nicht-öffentlichen Lademöglichkeiten in Haushalten und Unternehmen. In Bezug auf die ambitionierten Ziele der Bundesregierung, bis 2030 fünfzehn Millionen neu zugelassene E-Pkw und eine Million öffentliche Ladepunkte zu erreichen, werden immer mehr Stimmen laut, die das Einhalten dieser Zahlen für unerreichbar halten. Die Bundesregierung bestätigte das Ziel jedoch jüngst noch einmal. Wie ein Think Tank vorrechnet, müssten zur Erreichung des E-Pkw-Ziels bis 2030 tagtäglich 5.000 E-Autos neu zugelassen werden – im Durchschnitt schwankte der Wert 2023 aber zwischen circa 1.000 bis 2.800 neu zugelassenen Fahrzeugen pro Tag. Anreize für E-Mobilität
In Hinblick auf diese schwankenden Zulassungszahlen ist hervorzuheben, dass der Peak von circa 2.795 Fahrzeugen pro Tag (das entspricht 86.649 Fahrzeugen) im August verzeichnet wurde und mit dem Auslaufen des Umweltbonus’ für Unternehmen und Vereine zusammenhängt. Ab September konnten sie nämlich aus diesem Programm keine Fördermittel mehr für die Umrüstung ihrer Pkw-Flotten akquirieren. Seither sind nur noch Privatpersonen gestattet. Dieses Auslaufen spiegelt sich denn auch im Rückgang der zugelassenen E-Fahrzeuge im September auf ca. 1057 pro Tag (insgesamt 31.714 Fahrzeuge) wider. Beim Thema Fördermittel ist auch die Bewilligung der Förderanträge des 2. Förderaufrufs der Förderrichtlinie ‘Klimaschonende Nutzfahrzeuge und Infrastrukturen’ (KsNI) zu erwähnen, die im Februar und März stattfand. Insgesamt gingen rund 1.500 Anträge ein und es wurden rund 600 Millionen Euro für Nutzfahrzeuge bewilligt. M3E konnte für ihre Kunden hier 45 Millionen Euro beantragen. Der im 3. Quartal 2023 erwartete 3. KsNI-Förderaufruf wurde bedauerlicherweise immer wieder verschoben und es steht nicht zuletzt nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 16. November – dazu unten mehr – zu befürchten, dass er nicht kommen wird. Lässt dieser positive Anreiz zum Umstieg auf schwere E-Nutzfahrzeuge also weiter auf sich warten, ist die reformierte Lkw-Maut als negativer Anreiz im Dezember jedoch pünktlich angelaufen: Künftig bedeutet dies für Verbrenner-Lkw einen CO2-Aufschlag von 200 € pro Tonne ausgestoßenes CO2 – E-Lkw sind von der Maut ausgeschlossen. Generell lief die E-Mobilität im Transportsektor 2023 voll an. Es kommen immer mehr Lkw- und Transporter-Modelle auf den Markt, die immer größere Reichweiten überbrücken können. Der Ausbau der benötigten Ladeinfrastruktur beschleunigt sich dementsprechend stark. Beides spiegelt sich auch in der Präsenz der Elektromobilität auf den entsprechenden Fachmessen, so etwa schon auf der IAA Transportation 2022 sowie auf der Flotte 2023. Nicht zuletzt wegen der positiven und negativen Anreize steigt das Interesse der Transport- und Logistikbranchen an E-Mobilität stark an – ein Ausbleiben zukünftiger positiver Anreize (wie KsNI) erscheint uns deshalb als fatal für den Umstieg auf nachhaltige Mobilität.
Urteil des Bundesverfassungsgerichts und die Folgen
Überschattet wurde das Jahr durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 16. November, das die Umwidmung von Geldern aus dem Nachtragshaushalt 2021 für ungültig erklärte. Fortan fehlten Kredite in Höhe von 60 Milliarden Euro, die bis 2027 für das Sondervermögen ‘Klima- und Transformationsfonds’ (KTF) vorgesehen waren. Darauf wurde mit einem sofortigen Haushaltssperre reagiert, viele der bestehenden Förderprogramme werden also bis Ende des Jahres nicht mehr bedient. Insgesamt fehlen 2024 damit neben rund 17 Milliarden Euro im Haushalt auch circa 13 Milliarden im KTF. Ausblick 2024
Wie vergangene Woche bekannt geworden ist, soll der KTF nächstes Jahr um ganze zwölf Milliarden Euro gekürzt werden. Wie sich dies auf die Förderprogramme für Elektromobilität im Detail auswirken wird, kann jetzt noch nicht gesagt werden. Lediglich der Umweltbonus ist bereits in einer Hauruckaktion am 17. Dezember abrupt ausgelaufen. Der Umweltbonus galt ursprünglich noch bis Ende 2024, ab ersten Januar dann aber lediglich für Fahrzeuge unter einem Netto-Listenpreis von 45.000 Euro und hätte mit Herstelleranteil dann noch 4.785 Euro betragen. Ein geregeltes Auslaufen der Fördermaßnahme wäre trotzdem wünschenswert gewesen.
Wir schließen den Ausblick dennoch positiv: 2024 werden immer mehr Modelle in allen Segmenten und Preisklassen zur Verfügung stehen, die Reichweiten werden steigen, Ladezeiten werden sich verkürzen, mehr öffentliche Ladepunkte werden hinzukommen und die Preise werden sinken. Bei den Themenbereichen Batterieentwicklung und Batterierecycling, die beginnen, in Ihrer Vordringlichkeit die anderen Themenbereich von den Spitzenpositionen zu verdrängen, tut sich ebenfalls viel. Insgesamt wird es also auch ohne mögliche Fördermittel vorangehen und spannend bleiben!
Wir hoffen jedoch auf einen durch Fördermaßnahmen unterstützten und beschleunigten Transformationsprozess, der schnell das Erreichen realistisch gesetzter Ziele ermöglicht!